21.12.2017

Land setzt Programme zur Ausbildungsförderung fort

Hessen

Hessische Unternehmen erhalten auch im kommenden Jahr Zuschüsse, wenn sie Hauptschulabsolventen unmittelbar nach Schulabgang als Auszubildende einstellen. Wie der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir am 19. Dezember mitteilte, wird das Förderprogramm "Ausbildungsstellen für Hauptschüler/-innen" im Jahr 2018 fortgesetzt.

Das Programm "Ausbildungsstellen für Hauptschüler/innen"

Das 2016 neu aufgelegte Programm soll die Chancen von Hauptschülerinnen und Hauptschülern auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz verbessern. Das Land übernimmt im ersten Ausbildungsjahr 50 Prozent der Ausbildungsvergütung, im zweiten Jahr 25 Prozent. In diesem Jahr sind 291 Hauptschülerinnen und -schüler aus dem Programm gefördert worden. Im Etat 2018 sind erneut rund 2 Mio. Euro eingeplant.

Arbeitgeber müssen dafür bis Ende März 2018 betriebliche Ausbildungsverträge mit Jugendlichen abschließen, die höchstens einen Hauptschulabschluss erlangen werden und ihre Ausbildung direkt im Anschluss an die Schulentlassung im Ausbildungsjahr 2018 beginnen. Zudem müssen die Jugendlichen als Ausbildungsplatzbewerber bei der Arbeitsverwaltung gemeldet sein. Anträge sind vor Aufnahme des Ausbildungsverhältnisses bis zum 31. März 2018 an das Regierungspräsidium Kassel zu richten. Unter https://rp-kassel.hessen.de stehen die Antragsunterlagen und weitere Informationen zum Download bereit.

Neben dem Hauptschüler-Programm gibt es mehrere weitere Ansätze der Landesregierung, mehr junge Menschen für eine duale Ausbildung zu gewinnen:

Junge Menschen für duale Ausbildung gewinnen

  • In Schulen und Berufsberatungsstellen fördert das Wirtschaftsministerium ergänzende, über das Regelangebot hinausgehende Maßnahmen der Berufsorientierung wie etwa Projekte zur Heranführung an naturwissenschaftlich-technische Berufe. Eine fundierte Auswahl ist ein wesentlicher Faktor für den späteren Ausbildungserfolg. Dafür stehen jährlich 0,7 Mio. Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) bereit.
  • Das Programm Ausbildungsplatzförderung fördert Ausbildungsplätze, die besetzt werden mit Altbewerberinnen oder Altbewerbern, Ausbildungsabbrechern oder Haftentlassenen, die im Gefängnis eine Ausbildung begonnen haben. Für das kommende Jahr sind Mittel zur Förderung von mindestens 490 Plätzen geplant.
  • Das Programm gut ausbilden unterstützt Kleinunternehmen dabei, Nachwuchs zu gewinnen und mit wettbewerbsfähiger Ausbildungsqualität an sich zu binden. Gefördert werden Qualifizierungs- und Beratungsmodule für Leitungspersonal, Ausbildungspersonal und Auszubildende. Jährlich stehen gut eine Mio. Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) bereit.
  • Für Auszubildende in Problemsituationen gibt es die Qualifizierte Ausbildungsbegleitung in Betrieb und Berufsschule (QuABB). Die Ausbildungsbegleiterinnen und -begleiter kümmern sich hessenweit um abbruchgefährdete Jugendliche. Das Land fördert ihre Arbeit in den nächsten beiden Jahren mit rund 3,8 Mio. Euro aus Landesmitteln und  aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF). Damit stehen ca. 800 Auszubildenden jährlich qualifizierte Beratungsangebote zur Verfügung.
  • Zur Verbesserung der Qualität der beruflichen Bildung und zur Erhöhung der Ausbildungsbereitschaft kleiner und mittlerer Unternehmen fördert das Land Investitionen in überbetriebliche Berufsbildungsstätten (ÜBS) sowie überbetriebliche Lehrgänge (ÜAL) und sonstige Maßnahmen, die der Qualifizierung und Motivierung während der Berufsausbildung dienen. Dafür sind im Haushalt 2018 insgesamt rund 12,3 Mio. Euro vorgesehen. Zusätzlich stehen im Jahr rund 2,8 Mio. Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zur Verfügung.
  • Da Fremdsprachenkenntnisse, interkulturelle Kompetenzen und Auslandserfahrungen immer wichtiger werden, unterstützt das Land die Arbeit der Mobilitätsberatungsstellen mit rund 400.000 Euro im Jahr, davon rund 250.000 Euro aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Sie beraten über die Möglichkeiten von Auslandspraktika und anderer berufsbezogener Auslandsaufenthalte.
  • "Wirtschaft integriert" führt junge Flüchtlinge und Migranten mit Sprachförderbedarf auf den Weg zum Ausbildungsabschluss. Zielgruppe sind Frauen und Männer unter 27 Jahren, die nur Grundkenntnisse in Deutsch haben und deshalb eine Ausbildung nicht ohne Hilfe bewältigen. Teilnehmen können schon länger hier lebende Menschen mit Migrationshintergrund, anerkannte Flüchtlinge ebenso wie Asylbewerber mit Bleibeperspektive sowie geduldete junge Menschen ohne Arbeitsverbot. Hauptmerkmal des Programms ist die durchgehende Förderkette von der praktischen Berufsorientierung bis zum Berufsabschluss. Neben Sprachunterricht gehören dazu auch Lern- und Integrationshilfen sowie sozialpädagogische Begleitung. Im Jahr  2017 stehen insgesamt Landesmittel in Höhe von 12,15 Mio. EUR zur Verfügung. Damit können rund 1.480 Teilnehmende im Rahmen der Berufsorientierung, Einstiegsqualifizierung und Ausbildungsbegleitung und rund 500 Ausbildungsplätze für Auszubildende mit Sprachförderbedarf gefördert werden. Dieses Niveau wird auch in 2018 beibehalten.
  • Die OloV-Strategie (Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit) vernetzt alle Beteiligten beim Übergang von der Schule in den Beruf, um den Jugendlichen Umwege, Warteschleifen und Abbrüche zu ersparen. Dafür sind im Jahr 1,4 Mio. Euro aus Mitteln des europäischen Sozialfonds (ESF) eingeplant.

Wie aus dem jüngsten Bericht zur Berufsausbildung in Hessen hervorgeht, ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Jahr 2016 trotz guter wirtschaftlicher Entwicklung und wachsender Beschäftigung leicht gesunken. Im Jahr 2017 wurde jedoch eine Zunahme von Neuverträgen registriert. Dies wird aber erst in den nächsten Berufsbildungsbericht einfließen. Gleichzeitig stellen Digitalisierung, Energiewende und Globalisierung neue Anforderungen an die Ausbildung.

Quelle: Pressemitteilung des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung vom 19. Dezember 2017