EU-Förderung

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Europäische Förderprogramme

Europäische Förderprogramme sind in fast allen Einzelbudgets der EU enthalten. Von den jährlich 137,1 Milliarden Euro des EU-Haushalts fließen pro Jahr alleine 46,4 Mrd. EUR in die Strukturfonds, das entspricht knapp 34%. Weitere 39,7 Mrd. EUR werden für Direktzahlungen und Marktmaßnahmen für die europäische Landwirtschaft sowie 13,6 Mrd. EUR für die ländliche Entwicklung ausgegeben, was weiteren 39% entspricht.

Die Ausgaben für den Bereich Forschung, Entwicklung und Innovation sollen im Rahmen verschiedener Programme durchschnittlich 18 Mrd. EUR betragen. Insgesamt werden für die Programme, die 2014 gestartet sind und bis 2020 laufen, 960 Mrd. Euro veranschlagt. Das Geld scheint auf der Straße zu liegen und es sollte doch einfach sein, in Brüssel an dieses Geld zu kommen. Aber ganz so einfach ist es nicht!

Rund 80% des EU-Haushalts werden von den nationalen und regionalen Behörden verwaltet. Das sind in erster Linie die Struktur- und Investitionsfonds und Agrarbeihilfen. Hier informieren und unterstützen nationale, regionale und kommunale Behörden die Antragsteller. Das Einreichen von Förderanträgen erfolgt ebenfalls bei diesen Stellen.

Weitere 20% fließen in Programme, die zentral in Brüssel verwaltet werden, hauptsächlich in den Bereichen Forschung und Innovation, Bildung und Ausbildung sowie Verkehr und Energie. Hier sind Anträge dann direkt bei der EU-Kommission oder bei den Exekutivagenturen für die einzelnen Programme einzureichen. Diese Stellen bieten üblicherweise keine umfangreiche Beratung von Antragstellern. Dafür existieren in den Mitgliedsstaaten entsprechende nationale Kontaktstellen, bei denen Antragsteller Informationen, Beratung und Unterstützung bei der Antragstellung erhalten können. Erste Ansprechpartner für Fragen zu europäischen Fördermitteln sind auch die deutschen Mitglieder des Enterprise Europe Network.


Die europäischen Struktur- und Investitionsfonds

Die Struktur- und Investitionsfonds (ESI) der EU fördern im Rahmen der europäischen Kohäsionspolitik den Abbau der Ungleichheiten zwischen den einzelnen Regionen. Sie sind nach der Agrarhilfe für die europäische Landwirtschaft der zweithöchste Haushaltsposten der EU und unterteilen sich in fünf Einzelfonds: Regionalfonds (EFRE inkl. Europäische territoriale Zusammenarbeit/ETZ), Sozialfonds (ESF), Landwirtschaftsfonds (ELER inkl. Leader), Meeres- und Fischereifonds (EMFF) und Kohäsionsfonds.

Für die Förderung im Rahmen der ESI ist die Wirtschaftskraft der Region ausschlaggebend. Man unterscheidet die drei Regionstypen

  • Weniger entwickelte Regionen: BIP pro Kopf < 75% des EU-Durchschnitts, Budget 164 Mrd. EUR, 27% der EU-Bevölkerung
  • Übergangsregionen: BIP pro Kopf 75 bis 90% des EU-Durchschnitts, Budget 32 Mrd. EUR, 12% der EU-Bevölkerung
  • Höher entwickelte Regionen: BIP pro Kopf > 90% des EU-Durchschnitts, Budget 49 Mrd. EUR, 61% der Bevölkerung.

Ziele der europäischen Kohäsionspolitik sind die vier strategischen Wachstumsprioritäten "Innovation und Forschung", "Informations- und Kommunikationstechnologie", "Förderung der Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen" (KMU) sowie "CO2-arme Wirtschaft".

Jeder Mitgliedstaat schließt mit der EU-Kommission eine Partnerschaftsvereinbarung ab. In dieser Vereinbarung werden die Strategie, die Prioritäten und die Vorkehrungen des Mitgliedstaates für die effiziente und wirksame Nutzung der ESI-Fonds dargelegt. Die Umsetzung der Kohäsionspolitik erfolgt auf der Grundlage sogenannter Operationeller Programme, welche die Rahmenbedingungen des betreffenden Landes bzw. der Regionen berücksichtigen und für die in Deutschland vor allem die Bundesländer verantwortlich sind. Bewilligung, Überwachung und Bewertung von Tausenden von Projekten werden so von den zuständigen Verwaltungsbehörden in den jeweiligen Ländern bzw. Regionen organisiert.

Durch die Konzentration der Fördermittel auf die vier Schlüsselbereiche der Europa-2020-Strategie sollen zwischen 50 und 80 Prozent der EFRE-Mittel für Maßnahmen zur Förderung von Forschung und Entwicklung, der digitalen Agenda, der Wettbewerbsfähigkeit von KMU sowie des Übergangs zu einer Wirtschaft mit niedrigem CO2-Ausstoß verwendet werden. Außerdem liegt der Fokus auf einer besseren Wirkung der Förderung. Mitgliedstaaten und Regionen müssen ihre Investitionsziele präzisieren, Fortschritte anhand von einzelnen Indikatoren messen und die Ergebnisse der EU-Kommission mitteilen.

Wie werden Struktur- und Investitionsfondsmittel beantragt?

Regionale Projektförderung wird regional beantragt.

Obwohl bei den Struktur- und Investitionsfonds europäische Mittel verwendet werden, können Förderanträge bei regionalen Stellen gestellt werden. Die Regionen - in Deutschland sind das die Bundesländer - stimmen mit der EU-Kommission Förderprogramme ab, die dann regional eigenverantwortlich verwaltet werden.

Wer kann Struktur- und Investitionsfondsmittel beantragen?

Die Förderprogramme des EFRE können von Unternehmen sowie öffentlichen und privaten Projektträgern genutzt werden. In vielen Programmen sind Mittel nur von bestimmten Antragsstellern zu beantragen, wie z.B. Bildungsträgern im Rahmen der ESF-Förderung.

Es sollte deshalb vor einer Antragstellung immer zuerst Kontakt mit der zuständigen Antragsstelle aufgenommen werden. In Deutschland finden sich entsprechende Informationen auf den Internetseiten der jeweiligen Wirtschafts- bzw. Arbeitsministerien der Bundesländer.


Forschung und Innovation

Mit der Wachstumsstrategie "Europa 2020" hat der Europäische Rat im Jahr 2010 die Grundlage gelegt für mehr Wachstum und Beschäftigung in Europa. Forschung und Innovation werden als wesentliche Elemente definiert für die Weiterentwicklung des Europäischen Forschungsraums (EFR). Damit soll Europa zum dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt werden.

Bis 2020 soll die EU die folgenden fünf Kernziele erreichen:

  • 75% der 20- bis 64-Jährigen sollen Arbeit haben,
  • 3% des europäischen BIP sollen für Forschung und Innovation aufgewendet werden,
  • die Treibhausgasemissionen sollen um 20% verringert, der Anteil erneuerbarer Energien auf 20% erhöht und die Energieeffizienz um 20% gesteigert werden,
  • die Quote vorzeitiger Schulabgänger soll auf unter 10% verringert und der Anteil der 30- bis 34-Jährigen mit abgeschlossener Hochschulbildung auf mindestens 40% gesteigert werden,
  • die Zahl der von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffenen oder bedrohten Menschen soll um mindestens 20 Millionen gesenkt werden.

Eines der wichtigsten Förderinstrumente für diese Ziele ist HORIZONT 2020, das europäische Rahmenprogramm für Forschung und Innovation. Mit einem Fördervolumen von insgesamt rund 77 Milliarden Euro und einer neuen Struktur ist es das weltweit größte, in sich geschlossene Forschungs- und Innovationsprogramm. Es bündelt ab 2014 die Forschungsförderprogramme auf europäischer Ebene und ist stärker als die bisherigen Programme auf Kooperation zwischen Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft ausgerichtet.

Das neue Programm ermöglicht die Förderung von Forschung und Innovation von der Grundlagenforschung bis zur Markteinführung. Dabei stärkt Horizont 2020 zum einen den Europäischen Forschungsrat, der exzellente Grundlagenforschung fördert, und ist zum anderen gegenüber den Vorgängerprogrammen deutlich stärker auf die Anwendung der Forschungsergebnisse ausgerichtet. So wurden u.a. für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) verbesserte Fördermöglichkeiten geschaffen und Antrags- und Verwaltungsverfahren vereinfacht. Auch die Zeiten bis zur Bewilligung der Projekte sollen verkürzt werden. Ein sogenanntes "Fast-track-to-Innovation"-Instrument soll die Zeiten von der Idee bis zum Projektstart gerade für Unternehmen zu reduzieren.


Förderschwerpunkt Wettbewerbsfähigkeit von KMU

Das neue Programm für die Wettbewerbsfähigkeit von KMU (COSME) soll durch die Bereitstellung von Finanzierungen sowie durch Unterstützungs- und Beratungsdienste für KMU die internationale Wettbewerbsfähigkeit von europäischen KMU sicherstellen und den Zugang zu internationalen Märkten verbessern.

Ausgestattet mit rund 2,3 Milliarden Euro sollen Unternehmer und KMU einen vereinfachten Zugang zu Finanzmitteln bekommen und Hilfe bei der Unternehmensgründung erhalten. Diese Finanzmittel werden über Finanzintermediäre zugänglich sein. Außerdem wird aus dem Programm das Enterprise Europe Network (EEN) als Beratungsnetzwerk für KMU gefördert. KMU werden somit indirekt durch COSME unterstützt.

HORIZONT 2020, das Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, bietet durch die neue Förderlinie des KMU-Instruments kleinen und mittleren Unternehmen die Möglichkeit, nicht nur für Forschungs- und Entwicklungsprojekte, sondern auch für die Marktverbreitung bis hin zur Markteinführung Förderung zu beantragen. Dabei sind auch  Einzelprojekte möglich. Entsprechende Anträge können zu den Förderthemen der Fördersäulen "Industrielle Führerschaft" (Industrial Leadership) sowie "Gesellschaftliche Herausforderungen" (Societal Challenges) zu jeder Zeit eingereicht werden. Dreimal pro Jahr werden diese Anträge dann zu festgelegten Terminen begutachtet.


Förderschwerpunkt Mobilität

Die Förderung der Mobilität ist für die EU eine Grundvoraussetzung für die Erreichung der Ziele der Europa-2020-Strategie. So findet sich dieser Förderschwerpunkt in vielen EU-Programmen.

Im Programm HORIZONT 2020 bestehen Möglichkeiten für Wissenschaftler, ihr Wissen in anderen Organisationen zu erweitern und anzuwenden (Marie-Sklodowska-Curie-Aktionen). Spezielle Förderinstrumente ermöglichen es KMU, an diesem Wissen teilzuhaben.

Insbesondere im Programm ERASMUS+ werden Austauschmaßnahmen gefördert. Das gilt auch für Unternehmen. Selbst kleine Handwerksbetriebe haben hier in den Vorgängerprogrammen bereits an europäischen Personalaustauschprojekten teilgenommen und konnten dadurch ihren Erfahrungs- und Wissenshorizont erweitern. Aus diesen Programmen gibt es Möglichkeiten der Förderung von beruflichen Auslandsaufenthalten und Sprachkursen von Einzelpersonen.

Für Japan und Korea bietet die EU außerdem Manager-Trainingsprogramme für europäische Führungskräfte an. Gefördert werden Trainingskurse zu Wirtschaftskultur und Sprache und verschiedene spezielle Austauschprogramme im Einzelhandel und Konsumgütersektor für Manager. Unternehmenspraktika für japanische und europäische Studenten werden ebenfalls durch die EU gefördert. 


Aus- und Weiterbildung

Lebenslanges Lernen ist eine Grundvoraussetzung für das Erreichen der Ziele der Europa-2020-Strategie.  Die EU fördert Maßnahmen der Aus- und Weiterbildung hauptsächlich in dem Programm ERASMUS+. Ergänzend dazu finden sich Mobilitätsfördermaßnahmen als Mobilitätsstipendien im Programm "HORIZONT 2020" und den Manager-Trainingsprogrammen in Japan und Korea für europäische Führungskräfte.

In ERASMUS+ sind alle europäischen Programme im Bereich des lebenslangen Lernens (Leonardo da Vinci , Erasmus, Comenius, Grundtvig) zusammengefasst. Ziel des Aktionsprogramms ist es, lebenslanges Lernen als Schlüsselelement einer Wissens- und Innovationsgesellschaft zu etablieren. Unternehmen können als Projektpartner teilnehmen und so z.B. Bildungsinhalte mitbestimmen, an Austauschprogrammen mit Hochschulen teilnehmen oder den Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechniken vorantreiben. Das Programm will lebenslanges Lernen nicht nur der verschiedenen Bildungssektoren unterstützen, sondern zusätzlich drei weitere Aktionen anbieten. Hierzu zählen Mobilitätsmaßnahmen für Einzelpersonen, bei denen Bildungsträger Poolprojekte beantragen können, sowie Bildungspartnerschaften und Unterstützung der Politik.

Erasmus+ beinhaltet außerdem das frühere EU-Programm für Jugend sowie den neuen Bereich Sport. Die Fördermaßnahmen von Erasmus+ werden so auf diese beiden Politikbereiche übertragen.

Antragsberechtigt sind hier alle öffentlichen und privaten Einrichtungen, die in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport tätig sind.


Weitere EU-Programme

Die EU fördert mit weiteren Programmen den europäischen und internationalen Austausch von Erfahrungen und Wissen. Hier können sich auch Unternehmen beteiligen, auch wenn sie nicht primäre Zielgruppe sind. Beispielsweise ist hier das EU-Programm "Gesundheit" zu nennen, das Projekte aus dem Bereich der Öffentlichen Gesundheit fördert. In diesem Programm soll auch der Technologietransfer unterstützt werden (eHealth, Telematik).

Eine weitere Neuheit bietet das EU-Programm Kreatives Europa, das neben dem Kulturprogramm der EU auch das MEDIA-Programm umfasst, welches bis dato die europäische Filmindustrie - speziell die Erstellung europäischer Filme sowie den Verleih unterstützt hat. Seit 2014 fördert das Unterprogramm MEDIA auch die Entwicklung von Computerspielen. Verlage können sich außerdem die Übersetzung von europäischer Belletristik in andere europäische Amtssprachen fördern lassen.

Unternehmen haben außerdem Möglichkeiten, an dem EU-Programm Connecting Europe Facility CEF zur Förderung europäischer Infrastrukturprojekte (Transport, Energie, Telekommunikation) teilzunehmen.

Weitere Förderschwerpunkte sind Geschäftskontaktbörsen. Hier bietet die EU spezielle Programme für Asien und Lateinamerika. Unternehmen können selbst keine Anträge stellen, profitieren aber indirekt durch die Förderung der Organisation dieser Geschäftstreffen z.B. durch Wirtschaftsverbände.

Die Annäherung der Beitrittskandidatenstaaten und Bewerberstaaten an die EU sowie die Übernahme des acquis communautaire (Gemeinsamer Besitzstand), das heißt der gesamten Rechtsakte der EU, werden durch spezielle Programme unterstützt, die ihnen zudem beim Aufbau einer funktionierenden Verwaltung helfen, die Sicherung der EU-Außengrenzen oder Umwelt- und Verkehrsinfrastrukturen fördern. Unternehmen aus den EU-Mitgliedstaaten profitieren auch hier nur indirekt.

Das gleiche gilt für Projekte von EuropeAid, der Generaldirektion der EU-Kommission, die für  Entwicklungsprogramme der EU zuständig ist. Da die Ausschreibungen im Rahmen dieser Programme europaweit veröffentlicht werden, haben Unternehmen die Möglichkeit, über öffentliche Aufträge an der EU-Förderung zu partizipieren.  Hier bieten Auftragsberatungszentren in Deutschland professionelle Hilfe und kundenspezifische Informationsangebote an.

Die EU-Kommission benötigt selbst immer wieder Waren und Dienstleistungen, z.B. Studien, technische Hilfe und Schulungsmaßnahmen, Beratung, Konferenzdienste und Werbung, aber auch Bücher und IT-Ausrüstung. Auftragnehmer werden über Ausschreibungen ausgewählt, die von Abteilungen, Büros und Agenturen der Kommission in ganz Europa durchgeführt werden. Auch hier bieten die erwähnten Auftragsberatungszentren in Deutschland wertvolle Unterstützung.


Antragsverfahren in EU-Programmen

EU-Programme erfordern EU-Dimension

Es gibt bei den EU-Programmen keine einheitlichen Antragsverfahren. Die EU-Kommission darf aber Projekte, die nur nationale oder regionale Bedeutung haben, nicht fördern (Subsidiaritätsprinzip). Prinzipiell müssen förderfähige Projekte deshalb immer eine "EU-Dimension" aufweisen. In der Regel sind dazu mehrere Partner aus mehreren Ländern notwendig. Es können aber in einigen Programmen Einzelanträge gefördert werden, z.B. dann, wenn die erwarteten Ergebnisse später europaweit verbreitet werden oder der Antragsteller nicht der direkte Haupt-Nutznießer des Projekts ist. Beispiele hierfür sind Technologien oder Internetdienste, die bereits auf nationaler oder regionaler Ebene genutzt werden und nun in ganz Europa eingeführt werden oder auch programmbegleitende Aktionen wie Konferenzen, Handbücher, Geschäftspartnersuche etc.

Aufrufe zur Antragseinreichung beachten

Die EU-Kommission fordert mit Aufrufen zur Antragseinreichung (Calls for Proposals) dazu auf, Projektanträge einzureichen. Diese werden auf entsprechenden Programmseiten der EU-Kommission im Internet und im offiziellen Amtsblatt C der EU veröffentlicht. Meist haben Antragsteller ab diesem Datum etwa drei Monate Zeit, ihre Anträge einzureichen, manchmal aber auch weniger! Wer dann erst anfängt, Partner zu suchen oder sich das Projektthema zu überlegen, wird sicherlich große Probleme bekommen, einen guten Antrag rechtzeitig einzureichen. Deshalb früher - mindestens drei Monate vor Veröffentlichung des Aufrufs - mit dem Schreiben und der Partnersuche anfangen! Die Nationalen Kontaktstellen für die Programme wissen normalerweise sehr früh, wann mit einem Aufruf zu rechnen ist. 

Zum Teil finden sich Hinweise auf zukünftige Aufrufe auch in den Arbeitsprogrammen, die einen längeren Zeitraum umfassen und bei denen für bestimmte Förderthemen mehrere Antragsrunden vorgesehen sind. So kann man sich ebenfalls rechtzeitig auf eine Antragstellung vorbereiten sowie weitere Partner suchen. Bei einigen Programmen wird in einem zweistufigen Verfahren zunächst ein Kurzantrag (Projektskizze) begutachtet. Erst bei Erreichen von Mindestkriterien werden Antragsteller zur Einreichung eines Vollantrags aufgefordert. Das reduziert den Antragsaufwand für den Fall einer Ablehnung.

EU-Projekte sind immer Chefsache

Wegen des relativ hohen Aufwands, der für EU-Projekte notwendig ist, muss die Entscheidung, an EU-Programmen teilzunehmen, immer von der Firmenleitung ausgehen. Bei der Antragstellung müssen durchschnittlich mehrere Personenmonate einkalkuliert werden, vor allem dann, wenn EU-Neulinge ihren ersten Antrag schreiben. Insofern sollten Erstantragsteller überlegen, ob es vielleicht sinnvoller sein kann, als kleinerer Partner in einem erfahrenen Konsortium erste Erfahrungen zu sammeln.

Die EU nutzt mittlerweile in den vielen Programmen das Registrierungsportal "EU Login". EU Login ermöglicht als Authentifizierungsdienst befugten Nutzern mit einem einzigen Nutzernamen und Passwort den Zugang zu zahlreichen Webdiensten der Kommission. Antragsteller können ihre Daten und Unterlagen wie z.B. Gründungsurkunden, Bilanzen etc. hinterlegen, die für Anträge immer wieder gebraucht werden. Sie erhalten daraufhin einen einheitlichen Participant Identification Code (PIC). Dadurch reduziert sich - zumindest bei mehrfacher Antragstellung - der bürokratische Antragsaufwand.

Antragsunterlagen gut lesen und verstehen

In den Calls werden immer Internetadressen genannt, unter denen Antragsunterlagen aus dem Internet herunter geladen werden können. Ganz wichtig sind dabei auch die Richtlinien für Antragsteller ("Guide for Proposers"). Diese geben klar und deutlich Informationen darüber, was und in welcher Form die EU die Anträge erwartet. Es empfiehlt sich, sich daran "sklavisch" zu halten. Das tun die Gutachter ebenfalls.

Handbücher für die Begutachtung der Anträge

Die Handbücher für die Begutachtung der Anträge ("Evaluation Guidelines") sind Fundgruben für den Antragsteller! Zeigen sie doch, wie und nach welchen Kriterien Ihr Antrag geprüft wird. Sie finden diese Handbücher in der Regel bei den Antragsunterlagen des "Calls".

Werden Sie Gutachter

Die EU-Kommission sucht während der gesamten Laufzeit ihrer Programme externe Fachleute für die Bewertung von Anträgen, z.B. für das Programm "Horizont 2020", aber auch für viele andere Programme.

Die Tätigkeit als Gutachter bietet zwei Hauptvorteile:

  • Guter Überblick über die "Szene", die europaweit aktiv ist, und deren Aktivitäten,
  • Einblicke, wie gute Anträge aussehen müssen.

Interessierte können sich z.B. auf den Internetseiten des Participant Portal als Gutachter für Horizont 2020 registrieren lassen.

Vermehrt elektronische Antragseinreichung

Die EU nutzt bei ihren Programmen immer mehr die Möglichkeit der elektronischen Einreichung. So erfolgt die Antragstellung im Programm "Horizont 2020" ausschließlich elektronisch über das sogenannte SEP im Teilnehmerportal (Submission & Evaluation in the Participant Portal). Der Zugang zum Einreichungssystem erfolgt über die jeweilige Ausschreibungsseite des Portals. Vorläufige Anträge können bereits frühzeitig eingestellt und bis zum Ablauf der Antragsfrist immer wieder aktualisiert werden.

Einreichungsfrist heißt bewusst "Deadline"

Die Einreichungsfristen werden durch die EU-Kommission sehr streng beachtet. Die jeweils angegeben Fristen werden minutengenau und streng eingehalten. Bei der Nutzung elektronischer Einreichungssysteme wird der Zugang zu den Servern sekundengenau abgeschaltet. Es empfiehlt sich unbedingt, mit dem Hochladen von Antragsunterlagen frühzeitig zu beginnen.

Begutachtung der Anträge

Die Begutachtung der Anträge nimmt in der Regel einige Wochen, u.U. sogar Monate in Anspruch. Anhand der Bewertungspunkte wird eine Liste der förderfähigen Anträge erstellt (ranking list). Das Datum, bis zu dem alle Antragsteller über das Ergebnis der Bewertung ihrer Anträge benachrichtigt sein müssen, wird in den Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen angegeben. Auch wenn ein Antrag förderfähig ist, kann es jedoch passieren, dass er nicht gefördert wird. Mitunter reicht das für den speziellen Aufruf vorgesehene Budget nicht für alle förderfähigen Anträge aus. Hier spielen dann weiche Kriterien, wie die positiven Auswirkungen eines Projekts auf die Umwelt, auf Arbeitsbedingungen etc. eine Rolle, selbst wenn sie nicht das eigentliche Projektthema sind.

Finanzhilfevereinbarung

Mit den erfolgreichen Antragstellern schließt die Kommission oder die beauftragte Fördereinrichtung eine Finanzhilfevereinbarung ab, in der die Rechte und Pflichten der Projektbeteiligten sowie Umfang und Konditionen der Förderung festgeschrieben werden. Grundsätzlich erfolgt die Unterzeichnung der Finanzhilfevereinbarung innerhalb von drei Monaten nach Benachrichtigung der Antragsteller, dass sie erfolgreich waren.

Zeithorizont beachten - EU-Programme für mittelfristige Strategie nutzen

Sollen Projekte schnell und zeitnah durchgeführt werden, sind EU-Programme - wie gerade dargestellt - eine schlechte Wahl. Wer EU-Projekte durchführen möchte, braucht eine mittelfristige Strategie. Schnellschüsse sind damit nicht möglich.

Sekundärergebnisse nicht unterschätzen

Ehemalige Projektteilnehmer berichten übereinstimmend davon, dass durch die Teilnahme an EU-Programmen interkulturelles Know-how aufgebaut wird. Die Netzwerke halten oft über das Projektende hinaus und werden bei weiteren Projekten oder anderen Geschäften genutzt. Das zeigt, dass EU-Projekte oft sehr viel später geldwerte Ergebnisse bringen, die anfänglich nicht kalkuliert werden konnten.

Nutzen Sie bestehende Beratungsangebote

Bevor Sie sich selbst zum Fördermittelexperten weiterbilden, was erfahrungsgemäß ein mehrjähriges Projekt ist, sollten Sie zunächst einmal eine kurze ein- bis zweiseitige Kurzfassung Ihres Projekts verfassen und diese mit einer erfahrenen Beratungsstelle besprechen. Diese wird Ihnen dann eine Auswahl von sinnvollen Programmen nennen. Hierfür kommt in erster Linie das Beratungsnetzwerk Enterprise Europe Network der EU-Kommission in Frage, das Ihnen mit rund 4.000 Experten in 600 Kontaktstellen in über 54 Länder zur Seite steht. Beratungsstellen in Ihrer Nähe finden Sie unter http://www.een-deutschland.de in der Rubrik "Regionale Ansprechpartner".

Weitere Ansprechpartner sind die Nationalen Kontaktstellen der Bundesregierung für die einzelnen EU-Programme, die vertiefte Informationen zu den Möglichkeiten für Antragsteller geben können. Diese sind in der Datenbank bei den einzelnen Programmen genannt.