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18.4.2019

BMBF startet Innovationswettbewerb "Organersatz aus dem Labor" - eine Pilotinitiative für Sprunginnovationen

Bund

In Deutschland warten derzeit fast 10.000 Schwerkranke auf eine lebensrettende Transplantation - die meisten von ihnen viele Jahre lang vergeblich. Zur Lösung dieses drängenden Problems könnte die Züchtung von Ersatzorganen im Labor wirkungsvoll beitragen. Erste Vorstöße auf diesem Gebiet gibt es bereits, doch der endgültige Durchbruch ist noch nicht geglückt. Weltweit arbeiten Forschungsgruppen an der Entwicklung dreidimensionaler organähnlicher Modelle, sogenannter Organoide. Die Ergebnisse sind vielversprechend - doch die Mini-Organe reichen in Größe und Komplexität noch nicht an funktionsfähige Organe heran.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ruft bundesweit Forschungsteams auf, den Leistungsstand ihrer im Labor gezüchteten Mini-Organe zu demonstrieren. Dafür hat das BMBF heute den Innovationswettbewerb "Organersatz aus dem Labor" gestartet. Im Fokus stehen die fünf Organe, die in Deutschland am häufigsten transplantiert werden: Niere, Leber, Herz, Lunge und Bauchspeicheldrüse. Den drei besten Teams winkt eine Förderung der nächsten Entwicklungsschritte mit drei Millionen, zwei Millionen bzw. einer Million Euro. Die Gewinner des Wettbewerbs sollen im kommenden Jahr bei einer Konferenz in Berlin gekürt werden. Bis dahin haben die teilnehmenden Teams Zeit, ihre Organmodelle im Labor zu optimieren, ein aussagekräftiges Datenpaket zusammenzustellen und die weitere Entwicklung in Richtung Organersatz zu planen.

In den vergangenen Jahren wurden bereits große Fortschritte bei der Kultivierung patienteneigener Zellen und deren Anordnung zu organähnlichen Strukturen erzielt. Damit ist es bereits heute möglich, Haut und Knorpel zu kultivieren und dem Patienten zu transplantieren. Darauf aufbauend sollen mit dem neuen Innovationswettbewerb Technologien zur Herstellung von "Organersatz aus dem Labor" gefördert werden. Im Labor kultivierte Organe würden die Abhängigkeit von Spenderorganen verringern. Sie könnten die Organspende sogar überflüssig machen. Auch die häufig sehr belastenden Medikamente zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen könnten überflüssig werden, wenn die Ersatzorgane aus patienteneigenen Zellen gezüchtet werden. Das würde die Lebensqualität der Betroffenen entscheidend erhöhen. Auch wenn der Weg zu solchen "Organen aus dem Labor" noch weit ist, können Zwischenstufen schon erheblich zur Lebensqualität der Patienten beitragen. Beispielsweise könnten implantierbare Nierenorganoide eine geschwächte Niere entlasten und so die Häufigkeit der Dialyse verringern.

Mit insgesamt drei Innovationswettbewerben erprobt das BMBF ein neues Instrument zur Förderung von Sprunginnovationen. Die dabei gewonnenen Erfahrungen sollen in die geplante Gründung einer Agentur für Sprunginnovationen einfließen. Sprunginnovationen sollen gezielt gefördert werden, damit aus bahnbrechenden Ideen hochinnovative Produkte, Prozesse und Dienstleistungen entstehen, mit denen neue Hochtechnologiefelder, Märkte und Geschäftsmodelle erschlossen werden.

Bewerbungen für die Teilnahme am Innovationswettbewerb "Organersatz aus dem Labor" können bis zum 28. Juni 2019 eingereicht werden.

Quelle: Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) vom 15. April 2019